
Bauernhaus "Wicki"
Das um 1850 erbaute Luzerner Bauernhaus prägt gemeinsam mit weiteren historischen Gebäuden und der Kirche den ursprünglichen Dorfkern von Adligenswil. Ziel des Projekts ist es, die charakteristische Bausubstanz zu erhalten, sorgfältig weiterzuentwickeln und für kommende Generationen nutzbar zu machen. Dabei wird das ursprünglich bereits als Dreifamilienhaus genutzte Gebäude in seine frühere Funktion zurückgeführt.
Neu entstehen drei eigenständige Geschosswohnungen: je eine grosszügige 5.5-Zimmer-Wohnung im Erd- und Obergeschoss sowie eine 3.5-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss. Die typische Grundstruktur des massiven Strickbaus bleibt weitgehend erhalten. Zeitgemässe Koch-, Ess- und Wohnbereiche werden in einem neuen Anbau ergänzt, während die historischen Räume weiterhin ablesbar bleiben.
Der bestehende Anbau wird durch ein neues Volumen mit Kreuzfirst ersetzt. Diese für das Luzerner Bauernhaus charakteristische Dachform fügt sich selbstverständlich in den Bestand ein und stärkt dessen ursprünglichen Ausdruck. Die obere Wohnung erhält einen direkten Zugang zum Garten, während die Dachwohnung über eine Terrasse auf dem Anbau verfügt.
Auch konstruktiv verbindet der Anbau traditionelle Naturbaustoffe mit einem zeitgemässen Energiekonzept. In seinem Kern sorgt eine massive Stampflehmwand für eine hohe Speichermasse. Sie nimmt Wärme auf, gibt diese zeitlich verzögert wieder ab und unterstützt gleichzeitig die natürliche Regulierung der Raumfeuchtigkeit. Die Aussenwände werden als Holzständerkonstruktion ausgeführt und mit Strohballen gedämmt. Lehmputz auf der Innenseite und Kalkputz auf der Aussenseite bilden einen diffusionsoffenen, feuchteregulierenden Wandaufbau und schaffen ein angenehmes Raumklima.
Die Verwendung von Stroh als Dämmstoff reduziert den Einsatz emissionsintensiver Materialien. Während des Wachstums nimmt das Stroh CO₂ aus der Atmosphäre auf und speichert den darin gebundenen Kohlenstoff über die Nutzungsdauer im Gebäude. Damit leistet die Konstruktion nicht nur einen Beitrag zu einer sehr guten Wärmedämmung, sondern auch zur Reduktion der grauen Emissionen.
Die energetische Sanierung des Bestands wird behutsam auf die vorhandene Konstruktion abgestimmt. Dach, Kellerdecke und Fassade werden verbessert, die Fenster ersetzt und bestehende Wärmebrücken optimiert. Eine Wärmepumpe ersetzt die bisherige Einzelofenheizung; auf der südorientierten Dachfläche des Anbaus ist eine gestalterisch integrierte Photovoltaikanlage vorgesehen.
So entsteht neuer Wohnraum innerhalb einer wertvollen historischen Struktur. Das Bauernhaus wird nicht ersetzt, sondern aus seiner Geschichte heraus weitergebaut – mit natürlichen Materialien, hoher Speichermasse und einem ressourcenschonenden Energiekonzept.
Bauherr: Privat
Auftrag: Direktauftrag
Planung: 2024-2028
Realisierung: 2027-2028
Wohnfläche: 360m2 HNF
Mitarbeit: Andrea Pfefferli
Bauleitung: noch offen








